Der mordende Mob ist unter uns

Seit vielen Jahren morden Rechtsradikale, meistens ungestraft, in Deutschland. Diese Entwicklung fand in Westdeutschland ihren Anfang. Die erste Generation von Neonazis wurde in den achtziger Jahren von ehemaligen SS-Leuten indoktriniert und radikalisiert. Das hat seit dem Oktoberfest-Attentat 1980 zu inzwischen über neunhundert Todesopfern geführt.

Nils Oskamp
Drei Steine
Gebunden| 160 Seiten |19,99 ğinkl. MwSt.
ISBN 978-3-95798-646-7
panini comics

Erst viele Jahre später wurden die deutschen Behörden auf diesen Terror aufmerksam; daher sprechen die zuständigen Stellen von der offiziell bestätigten Zahl von zweihundert Todesopfern seit dem Mauerfall. Doch ihre Zahl liegt wesentlich höher, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich habe Anfang der achtziger Jahre in Dortmund-Dorstfeld die Realschule besucht und dort rechtsradikale Gewalt am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ich habe drei Mordversuche überlebt. Ich will, daß kein Mensch mein Schicksal erleiden muß. Deshalb ist es für mich wichtig, gegen den rechten Terror Stellung zu beziehen.

Ich habe meine Erfahrungen aus dieser Zeit in der Graphic Novel Drei Steine zusammengefaßt und künstlerisch verarbeitet. Nach Fertigstellung des Buches verschwanden die Alpträume, und kurz darauf begann ich, Lesungen an Schulen zu halten. Überzeugte Nazis kann man nicht mehr umbiegen, doch man kann präventiv mit der Jugend arbeiten. Diese Kids sind die Zukunft, und es ist mir die größte Freude, mich mit der nächsten Generation auszutauschen.

Ich wollte meinen Lesern eine spannende Geschichte bieten. Statt Wolf Larsen in Jack Londons Seewolf oder Darth Vader in Star Wars sollten die bösen Jungs die Neonazis sein. Aber die Aktualität hatte mich ziemlich schnell eingeholt. 2005 wurde der Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz von dem Nazi Sven Kahlin ermordet. Ein Jahr danach haben dann mutmaßlich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt von der Terrorzelle NSU Mehmet Kubasşık in seinem Kiosk erschossen, unweit der Stammkneipe von „SS-Siggi“.

Schmuddel und Mehmet – wir kannten uns nicht richtig, nur vom Sehen, von einem kurzen Zuprosten, von einem kleinen Lächeln, wenn ich meine Zigaretten bezahlte. Doch in eurem Namen nehme ich meinen Bleistift in die Hand, um gegen eure Mörder zu kämpfen. Wir müssen an die Opfer erinnern. Es macht mich unendlich traurig, daß der Haß, die Gewalt und die Naziideologie bis heute ihre Anhänger finden.

Wir brauchen einen neuen Widerstand. Wir brauchen wieder die Edelweißpiraten, die Weiße Rose, wir brauchen mehr Menschen wie Beate Klarsfeld und wieder Menschen wie Oskar Schindler.

Leute, steht auf und zeigt Kante! Rechtspopulismus zieht Rechtsradikalismus und Terrorismus nach sich. Laßt es nicht zu, daß die Alten Naiven von Deutschland und die Pegidioten dafür sorgen, daß dieses Land wieder vom rechten Tellerrand rutscht.

Die AfD ist mit der Identitären Bewegung vernetzt, die aus ehemaligen NPD-Leuten besteht. Rechtspopulistische Medien sprechen mit ihrer nationalistischen Propaganda junge Leser an. Der Prozeß gegen den NSU und seine faschistische Diva hat den Staat bislang fünfzehn Millionen Euro gekostet, und die Hinterbliebenen der Opfer haben bis heute keine Entschädigung erhalten. Die Verbotsverfahren gegen die NPD waren völlig unnötig, denn ohne die V-Mann-Gelder des Verfassungsschutzes wäre diese Nazipartei schon vor dreißig Jahren pleite gewesen.

Rassismus tötet, Fremdenfeindlichkeit ist Diskriminierung. Aufeinander zugehen, statt das Unbekannte abzulehnen!

Ich habe mittlerweile mehr als dreißig Lesungen gehalten, auch an vielen Schulen, die der Initiative »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« angehören. Ich bin vor über fünftausend Zuschauern aufgetreten, und die interessantesten Diskussionen entwickelten sich mit den Schülern. Diese nächste Generation ist unsere Hoffnung.

Einen Kalender mit meinen Lesungsterminen findet man auf www.dreisteine.com. Dort kann man mich auch kontaktieren, um Lesungen oder meine Wanderausstellung zu buchen.

Die Graphic Novel »Drei Steine« ist im Buchhandel erhältlich.

Nils Oskamp
ist Illustrator, Graphiker und Comiczeichner


»Ich habe meine Erfahrungen aus dieser Zeit in diesem Buch zusammengefaßt und künstlerisch verarbeitet.«
Nils Oskamp