»Schwarmdummheit« [Manfred Spitzer]

Schwarmintelligenz gehört zu den vielstrapazierten und zugleich wenig verstandenen Wörtern der Gegenwart. Das klingt irgendwie interessant, „hip“ (wie man heute so sagt) und scheint sehr vieles zu erklären. Wann immer relativ einfache „Agenten“ (das können Organismen oder auch Roboter sein) mit einfachem Verhaltensrepertoire komplexe Verhaltensweisen ausführen beziehungsweise „intelligentes Verhalten“ an den Tag legen können, spricht man von Schwarmintelligenz. Jeder kennt die Bilder und Filme von Schwärmen von Ameisen, Bienen, Fischen oder Vögeln, die sich ohne eine erkennbare Führungsstruktur dennoch wie ein einziges Lebewesen verhalten. Solche Schwärme werden daher zuweilen auch als Superorganismus bezeichnet. Der Neuro- und Verhaltensbiologe Rüdiger Wehner (2001, S. 16) hat diesen Gedanken wie folgt auf den Punkt gebracht: „Die ‚Seele der weißen Ameise‘ sitzt nicht in der Königin. Sie ist dezentralisiert als kollektive Intelligenz über die Gesamtheit der Gruppenmitglieder verteilt.“

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»Die Dummheit als Fußball« [Stefan Erhardt]

We’re born to fly / So let’s keep living till it all falls down / Let’s close our eyes / And let the moment drown the whole world out // We’re in this together / Hear our hearts beat together! / We stand strong together / We’re in this forever!
David Guetta: „This One’s For You“

Die Dummheit ist ein Verein. Die Dummheit ist ein Fußballverein. Die Dummheit ist ein Fußballverein, der sich im Lauf seines Daseins in ein Kapitalunternehmen mit Aufsichtsräten und Termingeldern verwandelt hat, dem Millionen von Gläubigen mit festgefügter Ideologie, festgelegten Ritualen, festgefahrenen Anschauungen blindlings folgen, bis daß der Tod sie von ihm scheide.
Die Dummheit erscheint bei den Gläubigen als Blindwütigkeit, Intoleranz, Unbelehrbarkeit, Gewaltbereitschaft, Selbstverleugnung, Götzendienst, in einem Wort: als Fanatismus. Zunehmend greift er auf den nichtgläubigen Teil der Gesellschaft über und verwüstet – ebenso konkret wie übertragen – zivilisatorische Errungenschaften wie Gelassenheit, Toleranz, Lernfähigkeit, Friedfertigkeit, Introspektion.

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»Nazis haben keinen Humor« [Benjamin Ortmeyer]

Im Gespräch mit Benjamin Ortmeyer über Witztechniken, ihren Einsatz im Nationalsozialismus und die pädagogisch-politische Kraft des Humors.  //  von diskus

diskus | Sie haben sich ausführlich mit der NS-Schülerzeitschrift Hilf mit! beschäftigt. Diese Zeitschrift haben Sie und Ihre Mitarbeiter unter dem Stichwort »Indoktrination« analysiert. Inwiefern ist Humor eines der Mittel, die zu diesem Zweck verwendet wurden?

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